Talententwicklung
Talente erkennen: Was ein Mädchen-Torwartcamp mit Headhunting zu tun hat
Warum wir ein Torwartcamp nur für Mädchen organisieren, und was Talentsuche im Fußball mit meiner Arbeit als Headhunterin gemeinsam hat.
An diesem Wochenende, am 10. und 11. Oktober 2026, stehen bei der FT Starnberg 09 nur Torhüterinnen auf dem Platz. She Keeps The Game ist unser erstes Camp ausschließlich für Mädchen und junge Frauen, von U13 bis U23. Ich organisiere es gemeinsam mit Torwarttrainer Tom Deppisch und der beim FC Bayern ausgebildeten Magdalena Richter.
Die Frage, die ich dazu am häufigsten höre: Warum nur Mädchen?
Warum Girls Only
Nicht, weil Mädchen weniger können. Sondern weil sie in einem rein weiblichen Umfeld oft selbstbewusster lernen, mehr sprechen und länger beim Sport bleiben. Im Jugendalter hören deutlich mehr Mädchen mit dem Vereinssport auf als Jungen. Wer das ändern will, braucht Orte, an denen sie sich etwas zutrauen, und Vorbilder, die zeigen, dass es geht.
Eine Torhüterin muss laut sein. Sie dirigiert die Abwehr, sie gibt Kommandos, sie entscheidet in Sekunden. Genau das üben viele Mädchen leichter, wenn niemand danebensteht, vor dem sie sich zurücknehmen.
Was das mit meinem Beruf zu tun hat
Im Hauptberuf bin ich Headhunterin. Ich suche Menschen für Aufgaben, in denen sie wachsen können. Zum Fußball bin ich über meine beiden Söhne gekommen, eher durch Zufall. Erst an der Seitenlinie ist mir aufgefallen, wie ähnlich sich beide Welten sind.
Vier Parallelen
Sichtung ist Talentsuche. Ein Scout und eine Headhunterin stellen dieselbe Frage: Was kann dieser Mensch heute, und was kann aus ihm werden? Der Lebenslauf und die Statistik zeigen nur die Vergangenheit.
Potenzial zeigt sich unter Druck. Im Auswahlgespräch wie im Eins-gegen-eins sieht man, wie jemand mit einer Situation umgeht, die nicht nach Plan läuft. Technik lässt sich trainieren, Haltung deutlich schwerer.
Das Umfeld entscheidet. Die beste Kandidatin scheitert im falschen Unternehmen, das größte Talent im falschen Verein. Meine Arbeit ist deshalb nie nur das Finden, sondern das Zusammenbringen: Mensch und Ort müssen passen.
Wer nicht gesehen wird, wird nicht gefunden. In Unternehmen bleiben gute Leute unentdeckt, weil sie leise sind. Im Mädchenfußball ist es ähnlich: Es gibt weniger Sichtungen und weniger Bühnen. Deshalb laden wir zu unseren Camps gezielt Scouts und Sichtungstrainer ein.
Was ich daraus mitnehme
Talent gibt es überall. Was fehlt, ist oft jemand, der hinschaut, und ein Rahmen, in dem es sich zeigen darf. Das gilt für eine Dreizehnjährige im Tor genauso wie für eine Führungskraft vor dem nächsten Schritt.
Mit She Keeps The Game bauen wir diesen Rahmen für junge Torhüterinnen. Und ich merke an jedem Camp-Tag, dass ich im Fußball dasselbe tue wie im Beruf: Menschen sehen, bevor es andere tun.
